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Lexikon


Das Epigraphische Forschungs- und Dokumentationszentrum baut ein Glossar epigraphischer Fachbegriffe auf, das bei der Beschreibung von Inschriften als terminologische Hilfe dienen soll.


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Auszeichnungsschrift

Eine von der Textschrift durch Schrifttyp, Größe und/oder Farbe abgesetzte Schrift, die wichtige Teile des Textes (Anfang, Kapitelüberschrift..) hervorhebt. Die historischen Schriftarten werden hierarchisch gestaffelt: Scriptura Monumentalis – Unzialis – Rustica – (Halbunzialis) – Minuskel, dabei wird für die Auszeichnungsschrift in der Regel ein höherrangiger Typ verwendet.

Quelle: Jakobi-Mirwald, Christine: Buchmalerei. Ihre Terminologie in der Kunstgeschichte. – Berlin, 1997, S. 49.

Aufstrich

siehe Anstrich

Ätzung

Im frühen 16. Jahrhundert wurde ein chemisches Verfahren erfunden, bei dem der freie Raum zwischen einer Darstellung bzw. einer Inschrift reliefartig stehenblieb. Diese am Metall entwickelte Technik wurde im späteren 16.Jahrhundert auch auf dem leicht zu bearbeitenden kalkstein angewendet

Quelle: Kloos, Rudolf M., Einführung in die Epigraphik des Mittelalters und der frühen Neuzeit. – Darmstadt 1992, S. 55

Arkosol

bezeichnet im antiken Grabbau diejenige Form eines Wandgrabes, bei welchem sich über dem kastenförmig in das gewachsene Gesteinsmassiv gehauenen, mit einer flachen Platte geschlossenen Grabtrog eine Bogennische wölbt.

Quelle: Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte. – I. Band A-Baubetrieb, S. 1050f.

Antiqua

Die Stilepoche des Barock brachte in der Entwicklung der gestalteten Schrift kaum Neues; sie ist eher als Übergangsperiode aufzufassen, an deren Ende die klassizistische Antiqua steht. Die drei wichtigsten formalen Charakteristika der klassizistischen Antiqua im Vergleich zu den Renaissanceformen sind: 1. Die Serifen der Versalien sind bei Renaissancetypen immer mit einer deutlichen Kehlung zum Schaft versehen, die Serife geht meist in Form einer halbkreisförmigen Kehlung in den Schaft über. Die oberen Scheitel der Minuskelschäfte erhalten statt der dreieckigen Bildung ebenfalls Serifen in Form flacher Haarstriche. 2. Der Unterschied der Haar- und Schattenstriche ist in Renaissanceschriften gemäßigt, in klassizistischen Schriften stark betont. 3. Die Lage der Schattenachse ist bei Renaissanceschriften immer schräg von oben links zu rechts unten, mehr oder minder stark geneigt; in den klassizistischen Schriften steht die Schattenachse senkrecht. Die klassizistische Form der Antiquatypen hat die Entwicklung der Antiqua-Druckschrift um 1800 zum Abschluß gebracht.

Quelle: Kloos, Rudolf M., Einführung in die Epigraphik des Mittelalters und der frühen Neuzeit. – Darmstadt 1992, S. 161ff

Antependium

Als Altarantependium in der kath. Kirche bezeichnet man eine als Schmuck gedachte Bekleidung des Stipes des Altares, des Trägers der Mensa. In der protestantischen Kirche ist das Antependium im Gegensatz zum Altartuch kein fester Bestandteil der Altarverkleidung, ist jedoch – besonders bei lutherischen Kirchen und v.a. im Bereich des Retabelaltares – weit verbreitet.

Quelle: Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte. – I. Band A-Baubetrieb. – München 1983, S. 442ff.

Anstrich

bezeichnet einen Strich am Beginn eines Buchstabens oder Buchstabenteils. Für den speziellen Fall der Verbindung zweier Buchstabenteile, die von unten nach oben verläuft, kann auch der Begriff Aufstrich verwendet werden

Quelle: Die Deutschen Inschriften. Terminologie zur Schriftbeschreibung. – Wiesbaden 1999, S. 20

Anagramm

Umstellung von Buchstaben oder Silben eines Wortes oder Satzes zu neuen Wort- und Satzbildungen, oft zu Deck- oder Scheinnamen, Wortspielen und Rätseln.

Quelle: Der Knaur. – 1. 1991, S. 211

Abschlußstrich

Striche, die den Buchstaben durch Verbindung zweier oder mehrerer freier Schaft-, Balken- oder Bogenenden an einer Stelle abschließen, die gewöhnlich offen ist. Das Phänomen ist spezifisch für die gotische Majuskel. Senkrechte Abschlußstriche (bei C und E) können Schaftstärke erreichen und auch die Funktionen eines Schaftes übernehmen; so wird der Abschlußstrich des unzialen E zum Träger des Mittelbalkens, der keine Verbindung zum Bogen aufweist. Offene Buchstaben, die durch Abschlußstrich geschlossen sind, können durch diesen Abschlußstrich einen Nexus litterarum eingehen.

Quelle: Die Deutschen Inschriften. Terminologie zur Schriftbeschreibung. – Wiesbaden 1999, S. 22

Abreibung

Bei gut erhaltenen, nicht zu kleinen Objekten ergeben Abreibungen gute Ergebnisse. Sie sind allerdings nur zweidimensional, haben deswegen aber den Vorteil einer einfacheren Aufbewahrung. Erforderlich ist hierzu starkes, zähes Papier (Japanpapier) und ein stumpfer Farbstift (Graphitstift, Wachskreide) und Klebeband. Das Papier wird mit dem Klebeband unverrückbar auf dem Objekt befestigt. Mit dem Farbstift werden die erhabenen Teile des Objekts auf das Papier durch Reiben übertragen. Es entsteht ein Farbabbild der erhabenen Teile des Objekts, das je nach Glätte der Oberfläche mehr oder weniger deutliche Einzelheiten zeigt.

Quelle: Kloos, Rudolf M., Fachtagung für lateinische Epigraphik des Mittelalters und der Neuzeit : Landshut, 18.-20. Juli 1980 (=Münchner Historische Studien, Abtlg. Geschichtliche Hilfswissenschaften; 19). – Kallmünz/opf. 1982, S. 145

Ablaßtafel

Ablaßtafeln sind Erbauungsbilder, an deren fromme Betrachtung in Verbindung mit bestimmten Gebeten ein Ablaß geknüpft war. Das auch ein Epitaph als Ablaßtafel dienen konnte, zeigt der Stein des 1463 verstorbenen Dekans Joh. Kirchhain in der Fritzlarer Stiftskirche. Ablaßtafeln nennt man auch ein Verzeichnis der einer Kirche verliehenen Ablässe in Gestalt einer Tafel.

Quelle: Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte. – I. Band A-Baubetrieb, S. 79f

Abbreviatur

allg. Abkürzungen in Schriften


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Bogenverstärkung

Verbreiterung der Strichstärke bei Bögen (analog zur Links- bzw. Rechtsschrägenverstärkung). Die größte Strichstärke erhält der Bogen dabei in den Abschnitten, die dieselbe Strichstärke aufweisen wie diejenigen Geraden, die die volle Stärke des Schattenstriches tragen. Bei Schriften mit Linksschrägenverstärkung haben alle Bögen folglich im Idealfall eine linksschräge Schattenachse.

Quelle: Die Deutschen Inschriften. Terminologie zur Schriftbeschreibung. – Wiesbaden 1999, S. 17

Bogenverbindung/verschmelzung

bei Schriftarten mit rund ausgeführten Bögen: die einander zugekehrten Bögen zweier Buchstaben sind so weit aneinandergerückt, daß sich die Bogenlinien teilweise überschneiden.

Quelle: Die Deutschen Inschriften. Terminologie zur Schriftbeschreibung. – Wiesbaden 1999, S. 14

Bogenverbindung bei der got. Minuskel

die einander zugekehrten senkrechten Teile der gebrochenen Bögen zweier Buchstaben verschmelzen miteinander. Das Phänomen der Bogenverbindung, das ursprünglich nur zwischen Buchstaben mit einander zugewandten Bögen zu beobachten ist, kann schließlich auch beim Zusammenstoßen eines Bogens mit einem Schaft auftreten.

Quelle: Die Deutschen Inschriften. Terminologie zur Schriftbeschreibung. – Wiesbaden 1999, S. 14

Bogenschwellung

jede über die Breite der Bogenverstärkung hinausgehende flächige Verdickung einer Bogenlinie. Jede Bogenlinie, jeder gebogene Schaft und jede gebogene Cauda kann eine Bogenschwellung aufweisen.

Quelle: Die Deutschen Inschriften. Terminologie zur Schriftbeschreibung. – Wiesbaden 1999, S. 17

Bogengrab

Bogengrab nennt man eine bisher nur in Trier nachgewiesene Form des mittelalterlichen Wandgrabes. Während beim Nischengrab, vergleichbar dem frühchristlichen Arkosolgrab, die Tumba in einer Nische oder in einer der Wand vorgeblendeten Arkatur steht, erhebt sich beim B. eine Bogenstellung auf dem an die Wand gelehnten Sarkophag oder Scheinsarkophag (Tumba). Im ersten Fall bildet also die Architektur Gehäuse und Hintergrund des Grabmals, im zweiten seine Bekrönung.

Quelle: Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte. – II. Band Bauer-Buchmalerei S. 1026

Bogenberührung

die einander zugekehrten Bögen zweier Buchstaben sind so weit aneinandergerückt, daß sie sich berühren, ohne sich zu überschneiden.

Quelle: Die Deutschen Inschriften. Terminologie zur Schriftbeschreibung. – Wiesbaden 1999, S. 14

Bildstock, altarartig

Sie bestehen aus gemauerten Altarstipes, darauf eine Art Retabel mit Relief oder einer vollplastischen Figur (Vesperbild, Kreuzschlepper..). An Fronleichnam und bei Bittgängen dienten diese Bildstöcke als Prozessionsaltäre. In anderen Fällen ist neben dem Bildstock ein Altar errichtet.

Quelle: Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte. – II. Band Bauer-Buchmalerei, S. 703

Bildstock

Der Bildstock ist ein im Freien, vornehmlich an öffentlichen Wegen errichtetes religiöses Wahrzeichen; er besteht meistens aus einer Säule oder einem Pfeiler mit religiösem Bildwerk in einer Nische oder als Bekrönung. Er steht in einer Reihe mit anderen meist noch älteren religiösen Wahrzeichen: den iro-schottischen Hochkreuzen, den Hoheitskreuzen, den Hagel- oder Wetterkreuzen, den Friedsäulen und den Totenleuchten. Besonders eng verwandt sind sie mit den Steinkreuzen. Wie Steinkreuze wurden auch Bildstöcke zur Sühne für einen Mord, zur Erinnerung an einen Unfall, in Ausführung eines Gelübdes gesetzt. Bildstöcke lassen sich bis zur Mitte des 14. Jh. zurückverfolgen, die sog. Heiligenhäuschen bis ins 13. Jh.. Bildstöcke finden sich besonders häufig in Franken und erlebten im Zeitalter der kirchlichen Restauration ihre Blüte, die bis in das 19. Jh. reichte.

Quelle: Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte. – II. Band Bauer-Buchmalerei, S. 698

Balken

waagerechte Linien. Zur Verdeutlichung kann bei oberen Balken auch von Deckbalken gesprochen werden.

Quelle: Die Deutschen Inschriften. Terminologie zur Schriftbeschreibung. – Wiesbaden 1999, S. 20

Baldachin-Grabmal

Die sachliche und künstlerische Funktion des B. über Grabmälern hat große Ähnlichkeit mit der des Ziboriums beim Altar, d.h. er dient dem Grabmal als Schutz und zum Schmuck. Man kann zwischen freistehenden, angelehnten und eingebauten B. unterscheiden. Im Mittelalter bestehen die freistehenden B. meist aus einem oder mehreren Gewölben, die von Säulen oder Pfosten mit Bogenverbindung getragen werden. Später sind Flachdecken auf Säulen mit Architravverbindung häufig. Vorläufer des angelehnten B. sind wohl die schon in romanischer Zeit vorkommenden Bogengräber. In die Wand eingebaute Grabmäler wird man nur dann B. nennen dürfen, wenn es sich um regelrechte architektonische Gehäuse mit besonderen Gewölben auf Stützen oder Konsolen handelt. Andernfalls wird man in der Regel richtiger von Nischengräbern sprechen. Zu den B. rechnen wir auch diejenigen Baldachinanlagen, die über den erhobenen und in den Schrein o.ä. beigesetzten Gebeinen von Heiligen (Reliquien) errichtet sind.

Quelle: Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte. -I. Band A-Baubetrieb, S. 1402


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Chronogramm

griech. Zeitinschrift. Als Chronogramm bezeichnet man einen meist lat. Satz (bzw. Wort), in dem die Großbuchstaben zugleich röm. Zahlzeichen sind, die bei Addition das Datum des im Ch. geschilderten Ereignisses wiedergeben.

Quelle: Der Knaur. – 3. 1991 (Buch-Doke), S. 940

Christogramm

auch Christusmonogramm. Zeichen für den Christusnamen, gebildet aus den griech. Initialen X (Chi) und P (Rho), ab. 2. Jh. In verschiedenen Variationen vorkommend. Das Christogramm ist nicht zu verwechseln mit dem Jesusmonogramm IHS (s. d.)

Quelle: Der Knaur. – 3. 1991 (Buch-Doke), S. 936

Cauda

der bei den Buchstaben G, Q und R (in der Grundform) rechts unten angesetzte Strich. Sie kann gerade, gewellt, gerollt etc. ausgeführt sein.

Quelle: Die Deutschen Inschriften. Terminologie zur Schriftbeschreibung. – Wiesbaden 1999, S. 21


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Duktus

charakteristische Art der künstlerischen Formgebung einer Schrift

Distichon

Verspaar, meist aus Hexameter und aus Pentameter bestehend. Beliebte Versform des Epigramms

Quelle: Der Knaur. – 3. 1991 (Buch-Doki), S. 1161

Devise

Die Devise als Wahlspruch, mit oder ohne eine charakteristische Bildform, eignet einer bestimmten Person oder Personengruppe, wie etwa Ritterorden. Die Bilddevise heißt auch Liberei, daher die Livree der Parteigänger oder Bediensteten. Die Devise ist eine typische Zeiterscheinung des höfischen Spätmittelalters und tritt seit dem letzten Drittel des 14. Jahrhunderts auf, ganz besonders am burgundischen Hof gepflegt.

Quelle: Kloos, Rudolf M., Einführung in die Epigraphik des Mittelalters und der frühen Neuzeit. – Darmstadt 1992, S. 43

Dabbing

Der Begriff aus dem Englischen, der den Vorgang und die Tätigkeit, daß „getupft“ wird, zum Ausdruck bringt, erinnert daran, daß der historische Ursprung der Technik in England zu finden ist. Die Technik beinhaltet einen Stempelabdruck einer erhabenen Inschrift. Der Stempel muß weich sein, damit das Buchstabenbild und dessen Kanten oder die Rundungen präzise erfaßt werden. Als Stempel nimmt man z.B. ein Fensterleder, welches mit Watte gefüllt wird und am oberen Ende mit einem Holzgriff versehen werden. Als Papier hat sich dünnes Japanpapier bewährt. Es wird einseitig angefeuchtet, zu zwei oder drei Bögen zusammengefaltet und ein bis zwei Tage in einem Plastikbeutel aufbewahrt. Auf diese Weise entsteht der gewünschte lappig-feuchte Zustand. Das Papier wird dann auf die Inschrift gelegt. Als Druckfarbe wir eine Mischung aus Grafit und Leinöl, die eine bestimmte, eher trocken-geschmeidige Konsistenz haben muß, benützt. So wir die Fähigkeit des Grafits, auf stärkeren Druck stärker und auf schwächeren Druck schwächer zu reagieren, also Feinabstufungen entsprechend den plastischen Rundungen wiedergeben zu können, voll ausgenutzt. Das Einreiben des Stempels ist denkbar einfach. Man schüttet etwas Grafitt auf einen flachen Stein, gibt wenig Öl dazu und mischt mit dem Stempel selbst. Vier Tupfen angerührten Tapetenkleisters befestigen das Papier auf der Inschrift. Es muß glatt aufliegen und darf sich während des Stempels nicht bewegen. Das Papier trocknet sehr schnell und kann ohne weitere Nachbehandlung konserviert werden. Bewährt hat sich dieses Verfahren v.a. bei Glocken.

Quelle: Kloos, Rudolf M., Fachtagung für lateinische Epigraphik des Mittelalters und der Neuzeit : Landshut, 18.-20. Juli 1980 (=Münchner Historische Studien, Abtlg. Geschichtliche Hilfswissenschaften; 19). – Kallmünz/opf. 1982, S. 146ff.


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Epitheton

ein zur näheren Bestimmung eines Substantives beigefügtes Adjektiv. Im Bereich der Epigraphik oft lobenden und ausschmückenden Charakters.

Quelle: Der Knaur. – 4. 1991 (Doke-Fine), S. 1376

Epitaph

Die deutsche Kunstgeschichtsforschung hat den Begriff „Epitaph“ im Unterschied zum Sprachgebrauch anderer Länder eingeschränkt. Sie bezeichnet damit eine besondere Art von Totengedächtnismalen, welche die Erinnerung an den Verstorbenen mit einem religiösen oder allegorischen Bildwerk und einem inschriftlichen Todesvermerk verbinden. Die nicht an den Begräbnisort gebundenen Epitaphien können einerseits der Grabplatte hinzugefügt werden, andererseits aber auch allein und fern des Bestattungsortes als Erinnerungsmal für den Verstorbenen stehen. Die wesentlichen Bestandteile sind: 1. Name und Todesvermerk als Rahmeninschrift oder auf beigefügter Tafel 2. Darstellung des Verstorbenen (mit Familie) – als Standfigur oder kniend (zumeist in Bethaltung) – oder heraldischer Darstellung 3. Religiöses oder allegorisches Bildwerk Gelegentlich kann eines dieser drei Merkmale fehlen. In der Beliebigkeit der äußeren Gestalt und Größe, der technischen Ausführung und des Materials sowie in der Auswahl an Bildthemen unterscheidet sich das Epitaph von der formal und ikonographisch stärker eingegrenzten Grabplatte.

Quelle: Bearbeitungs- und Editionsgrundsätze für die „Wiener Reihe“ des deutschen Inschriftenwerkes / hrsg. Von Walter Koch. – Wien 1991, S. A16

Epigramm

bei den Griechen ursprünglich eine Inschrift, die zur Erläuterung auf Denkmälern, Weihgaben und Bauten angebracht wurde, meist in Distichen. Seit Ende des 6. Jh. v. Chr. Selbstständige literarische Form, die einen Gedanken in eine knappe, geistreiche, oft satirisch zugespitzte Spruchformel faßt.

Quelle: Der Knaur. – 4. 1991 (Doki-Fine), S. 1374

Enklave

ein Buchstabe wird verkleinert einen anderen eingestellt/eingeschrieben.

Quelle: Die Deutschen Inschriften. Terminologie zur Schriftbeschreibung. – Wiesbaden 1999, S. 12

Emblem

Das Emblem im eigentlichen Sinne besteht aus drei Teilen, dem Lemma, der Icon und dem Epigramm. Das Wort Lemma vereinigt sich mit dem Bild der Icon zu einem Rätsel, dessen Auflösung durch das Epigramm erleichtert wird; die Auflösung hat einen didaktisch-moralischen Charakter. Diese festgefügte Kunstform des Emblems wurde von Andrea Alciati in seinem 1531 zu Augsburg gedrucktem „Emblematum liber“ grundgelegt. Der ursprünglich durchaus humanistische Inhalt wandelte sich in der Barockzeit vielfach zur religösen Belehrung.

Quelle: Kloos, Rudolf M., Einführung in die Epigraphik des Mittelalters und der frühen Neuzeit. – Darmstadt 1992, S. 44


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Frühhumanistische Kapitalis

Mischschrift, die auf Formenreservoirs verschiedener Majuskelschriften mehrerer Zeitstufen zurückgreift, gelegentlich auch Minuskelformen integriert und zusätzlich neugeschaffene Formen einsetzt. Kennzeichnend ist auch eine große Varianz in der Ausführung der einzelnen Buchstaben.

Quelle: Die deutschen Inschriften. Terminologie zur Schriftbeschreibung. – Wiesbaden 1999, S. 30

Fresko

Wandmalerei auf feuchtem Kalkverputz. Die Farben verbinden sich beim Trocknen unlöslich mit dem Putz. Es wird in „Tagwerken“ stückweise gemalt, da der Kalk jeweils frisch sein muß. Spätere Korrekturen auf dem trockenen Putz (al secco) sind nur bedingt möglich, da sie schnell abblättern.

Quelle: Der Knaur. – 5. 1991, Fing-Grat, S. 1673

Fraktur

charakteristisch sind Schwellzüge und Schwellschäfte sowie die spitzovale Grundform der geschlossenen Bögen, die Schäfte von f und Schaft-s reichen bis unter die Grundlinie, die Oberlängen enden nicht stumpf (sondern gespalten, ausgezogen, mit Zierformen etc.). Einstöckiges a tritt in der Fraktur auf, ist aber weder notwendiges noch hinreichendes Kriterium für das Vorliegen dieser Schriftart.

Quelle: Die Deutschen Inschriften. Terminologie zur Schriftbeschreibung. – Wiesbaden 1999, S. 48

Fahne

der Bogen bei Schaft-s und f, sowie der oben nach rechts angesetzte Buchstabenteil bei r und x. Der Begriff Fahne sollte bei f und Schaft-s nur bei entsprechender Gestaltung des Bogens verwendet werden.

Quelle: Die Deutschen Inschriften. Terminologie zur Schriftbeschreibung. – Wiesbaden 1999, S. 21


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Grenzstein

Die ältesten Beschriftungen von Grenzsteinen, die uns überkommen sind, dürften in das 15. Jh. Zurückgehen. Ihre Aussage ist meist sehr wortkarg, eine Jahreszahl etwa, später vielleicht auch ein Buchstabe, der die Numerierung der Grenzsteine angibt, dann die Bezeichnung der angrenzenden Gebiete, oft nur durch die Wappen und durch Initialen. Bei den Grenzen, die auf diese Weise „versteint“ sind, wie es in den fränkischen Quellen heißt, handelt es sich nur teilweise um Herrschaftsgrenzen, sehr viel häufiger um die Grenzen von Gemeindehuten, den gemeindlichen Weidegründen, um die es immer wieder oft jahrzehntelange Streitigkeiten gab. Die Mehrzahl dieser Steine gehört dem 17. Und 18. Jahrhundert an.

Quelle: Kloos, Rudolf M., Einführung in die Epigraphik des Mittelalters und der frühen Neuzeit. – Darmstadt 1992, S. 69

Grabtafel

Inschrift mit eigenem, häufig schlichtem und bildlosen Inschriftenträger, der in der Regel kleinere Abmessungen als die Grabplatte aufweist und dessen Inschrift vielfach mehrzeilig abgefaßt ist.

Quelle: Bearbeitungs- und Editionsgrundsätze für die „Wiener Reihe“ des deutschen Inschriftenwerkes / hrsg. Von Walter Koch. – Wien 1991, S. A17

Grabstein

Bezeichnung für das neuzeitliche, direkt mit dem Grabhügel auf dem Friedhof verbundene, aufrecht stehende Grabmal

Quelle: Bearbeitungs- und Editionsgrundsätze für die „Wiener Reihe“ des deutschen Inschriftenwerkes / hrsg. Von Walter Koch. – Wien 1991, S. A17

Grabplatte

Ehemals meist horizontal liegende, vornehmlich im Boden einer Kirche oder eines Kreuzganges eingelassene Platte, die als Monolith von in der Regel rechteckigem Zuschnitt die Begräbnisstätte verschloß. Neben dem Abbild des häufig mit Wappen dargestellten Verstorbenen finden auch rein heraldische Darstellungen und christliche Symbole Eingang in die Bildthematik. Die Ritzzeichnung und das Flachrelief sind die grundlegenden Techniken für die bildliche Darstellung. Folgende Unterbezeichnungen bieten sich an: – Metallgrabplatte – Wappengrabplatte – Tumbagrabplatte etc.

Quelle: Bearbeitungs- und Editionsgrundsätze für die „Wiener Reihe“ des deutschen Inschriftenwerkes / hrsg. Von Walter Koch. – Wien 1991, S. A17

Grablege

Mit dem Begriff Grablege werden Grabstätten sozial höhergestellter Personen (Päpste, Bf.e und Äbte, Herrscher und Adelige) bezeichnet, und zwar Einzelbestattungen ebenso wie Sammelgräber. Die Exklusivität der Grablege wurde erreicht durch die Separierung der Gräber im (Gemeinde-)Friedhof, durch die Gründung eigener Grabkirchen oder eine exponierte Lage der Gräber in Kirchen. Grablegen des Mittelalters sind ferner dadurch ausgezeichnet gewesen, daß sie nicht (in erster Linie) durch die leiblichen Angehörigen der Bestatteten, sondern durch bes., meist geistliche Gemeinschaften versorgt wurden.

Quelle: Lexikon des Mittelalters. – IV. 1989 (Erzkanzler-Hiddensee), Sp. 1628

Grabinschrift

Hierbei kann es sich sowohl um eine Inschrift ohne eigens angefertigten Inschriftenträger handeln als auch um eine kopial überlieferte Inschrift, die keine einwandfreien Rückschlüsse auf ihren Inschriftenträger zuläßt.

Quelle: Bearbeitungs- und Editionsgrundsätze für die „Wiener Reihe“ des deutschen Inschriftenwerkes / hrsg. Von Walter Koch. – Wien 1991, S. A17

Grabdenkmal

Der Begriff umfaßt das vornehmlich an der Wand oder an einem Pfeiler aufgerichtete sowie das völlig freistehende Totengedächtnismal, das sich durch monumentale Größe auszeichnet. Im deutschen Sprachraum des 14./15. Jh. Noch weitgehend den Umrißformen der Grabplatte verhaftet, hebt es sich davon meist durch kräftigere Reliefformen (gelegentlich mit vorspringendem Sockel am unteren Plattenrand) und gewöhnlich durch das fehlen des Kopfkissens des Verstorbenen ab. Das Grabdenkmal kennzeichnet den Begräbnisort im Bereich einer Kirche, wobei die Grabstätte nicht unmittelbar beim Grabdenkmal liegen muß.

Quelle: Bearbeitungs- und Editionsgrundsätze für die „Wiener Reihe“ des deutschen Inschriftenwerkes / hrsg. Von Walter Koch. – Wien 1991, S. A17

Gotische Minuskel

entspricht in ihrem Idealtyp der Textura der Buchschrift. Kennzeichen ist die Brechung der Schäfte und Bögen: Im Mittellängenbereich stehende Schäfte werden an der Oberlinie des Mittellängenbereichs und an der Grundlinie gebrochen. Im Ober- und Unterlängenbereich werden Schäfte in der Regel nicht gebrochen. Bögen werden durch (Stumfwinklige) Brechung und/oder durch (spitzwinkliges) Abknicken in senkrechte und in der Regel linksschräge Bestandteile umgeformt. Besonders bei c,f und langem s kann der obere Bogenteil auch waagerecht umgebrochen sein. Stumpf, d.h. ohne Brechung, auf der Grundlinie endende Schäfte sind die Ausnahme. Die umgebrochenen linksschrägen Bestandteile können zu Quadrangeln verdichtet sein; in der Regel sind dann nur drei Ecken der Quadrangel sichtbar. Entsprechend der voll ausgebildeten Textura der Buchschrift kann die gotische Minuskel gitterartig ausgeführt sein, wenn sie aus dicht und möglichst gleichmäßig aneinandergereihten Schäften und Quadrangeln besteht. Im Idealfall entspricht die Breite der Schäfte und der senkrechten Bestandteile der Bögen der Breite der Zwischenräume zwischen den Schäften, und die Quadrangeln berühren sich (fast), so daß für das Auge an der Grundlinie und an der Oberlinie des Mittellängenbereichs ein zusammenhängendes waagerechtes Band entsteht.

Quelle: Die Deutschen Inschriften. Terminologie zur Schriftbeschreibung. – Wiesbaden 1999, S. 46f.

Gotische Majuskel

Mischmajuskel – in Fortführung der Entwicklung der romanischen Majuskel – mit zunehmendem Anteil runder Formen. Typisch sind keilförmig verbreiterte Schaft- und Balkenenden, Bogenschwellungen, eine gesteigerte, einheitlichen Prinzipien folgende Flächigkeit sowie die Vergrößerung der Sporen an Schaft-, Balken- und Bogenenden, die zu einem völligen Abschluß des Buchstaben führen können.

Quelle: Die deutschen Inschriften. Terminologie zur Schriftbeschreibung. – Wiesbaden 1999, S. 28

Gotico-Antiqua

Minuskelschrift des süddeutschen Raums, die Einwirkungen der Antiqua erkennen läßt, deren Buchstabenproportionen und Strichstärke aber noch weitgehend der gotischen Minuskel entsprechen. Im Vorfeld der Gotico-Antiqua treten sehr unterschiedliche Mischschriften auf.

Quelle: Die Deutschen Inschriften. Terminologie zur Schriftbeschreibung. – Wiesbaden 1999, S. 48


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Humanistische Minuskel

entspricht der Antiqua in der Buchschrift: greift in ihrer Entstehung als Buchschrift die Formen der karolingischen Minuskel wieder auf. Charakteristische Einzelelemente der inschriftlichen Ausführung sind: runde Bögen, ohne Brechung endende Schäfte, auf der Grundlinie endendes f und Schaft-s, d nur mit senkrechtem Schaft (halbunziale Form), rundes g, h in der Regel ohne Bogenverlängerung unter die Grundlinie. Außerdem läßt sich eine Tendenz zur Bildung von Serifen an den Schaftenden beobachten.

Quelle: Die Deutschen Inschriften. Terminologie zur Schriftbeschreibung. – Wiesbaden 1999, S. 48

Hochkreuz

Sie sind mitunter sehr hoch (Friesdorf: 11m), meist türmchenartig gebaut, mehrgeschossig, reich gegliedert durch Blenden, Fialen, Giebel, Strebepfeiler und/oder -bögen, Reliefs, endigen in Spitzpyramide oder Kreuzblume oder Kreuz. Fast durchweg gehören sie der höheren Kunst an.

Quelle: Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte. – II. Band Bauer-Buchmalerei, S. 702

Heiliges Grab

Kenotaph Christi, in zwei verschiedenen Formen vorkommend: 1. Eine Rotunde oder ein Polygon (vor allem in Frankreich) als Nachbildung der Grabeskirche in Jerusalem 2. Eine Tumba mit dem Leichnam Christi und den Frauen mit Salbgefäßen, manchmal auch mit Grabwächtern.

Quelle: Koepf, Hans, Bildwörterbuch der Architektur. – Stuttgart 1974, S. 198

Heiligenhäuschen

Ähnlich dem altarähnlichen Bildstock mit altarartigen, gemauerten Unterbau; darauf ein nischenartiger Oberbau, der, oft hinter Gitter, ein Bildwerk aufnimmt. Der Abschluß ist dachartig. Die Form läßt sich vom frühen 13. Jh. Bis ins 19. Jh. Verfolgen. Häufig an Wallfahrtswegen und mit Opferstock versehen.

Quelle: Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte. – II. Band Bauer-Buchmalerei, S. 703

Hausmarke

auch: Hauszeichen figürliche oder geometrische Figur zur Kennzeichnung eines Hauses, früher meist am Schlußstein der Eingangstür angebracht. Nach der H. wurden früher die Häuser benannt, sie ersetzte die moderne Ordnungsnummer.

Quelle: Koepf, Hans, Bildwörterbuch der Architektur. – Stuttgart 1974, S. 197

Haste

auch: Schaft. Senkrechte Linien; aus Gründen der Einheitlichkeit kann der Begriff Schaft verwendet werden

Quelle: Die Deutschen Inschriften. Terminologie zur Schriftbeschreibung. – Wiesbaden 1999, S. 20

Haar- und Schattenstriche

Wechsel von Haar- und Schattenstriche: ggf. sind Abstufungen vorzunehmen (sehr ausgeprägter / nur schwach ausgeprägter Wechsel). In der Regel folgt der Wechsel von Haar- und Schattenstrichen einem festen Prinzip, nach dem immer nur die Geraden und Bogenabschnitte, die in einer bestimmten Richtung liegen, die volle Breite des Schattenstriches erhalten. Die Breite der Schattenstriche kann je nach deren Position und Strichrichtung innerhalb der Schrift variieren.

Quelle: Die Deutschen Inschriften. Terminologie zur Schriftbeschreibung. – Wiesbaden 1999, S. 16


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Initiale

Gemäß der lateinischen Bedeutung versteht man unter Initiale jeden Buchstaben am Textanfang, der gegenüber der textschrift bzw. – sofern vorhanden – der Textmajuskel in Größe und Form herausgehoben ist

Quelle: Jakobi-Mirwald, Christine, Buchmalerei : Ihre Terminologie in der Kunstgeschichte. – Berlin 1997, S. 21


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Jesusmonogramm

Spezielle epigraphische Ausformung des Nomen Sacrum IHS, normalerweise in der Darstellung mit einem Kreuz auf dem Querbalken des H. In der Epigraphik ist dieses spezielle Jesusmonogramm seit dem 15 Jhd. bekannt; seine weiteste Verbreitung fand es in der Zeit der Gegenreformation, vor allem durch die Vermittlung der Jesuiten, die es besonders gerne (auch in Kombination mit diversen Marienmonogrammen) verwendeten.


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Kryptogramm

Geheimschrift, als allg. verständlich getarnter Text, dessen eigentlicher Sinn nur der Kundige erkennen kann; auch Verse, deren Anfangsbuchstaben oder -wörter einen Satz oder ein Wort ergeben

Quelle: Der Knaur. – 8. 1991(Kleie-Lira), S. 2884

Kreuzstein

Die älteste Gruppe der Flurdenkmäler. Kreuzsteine tragen ihren Namen, weil sie aus einem viereckigen Steinblock lediglich das Relief eines Kreuzes herausgehauen haben. Diese Denkmäler hatten eine rechtliche Funktion, denn sie mußten oft von demjenigen errichtet werden, der einen Mord oder Totschlag begangen hatte; diese Auflagen wurden in den Sühneverhandlungen mit der betroffenen Familie gerichtlich festgelegt. Allerdings tragen die meisten Kreuzsteine keinerlei Beschriftung oder bildliche Darstellung, so daß auch ihre Datierung problematisch ist.

Quelle: Kloos, Rudolf M., Einführung in die Epigraphik des Mittelalters und der frühen Neuzeit. – Darmstadt 1992, S. 69

Kontraktion

bezeichnet die Auslassung eines oder mehrerer Buchstaben im Wortinneren. Sie wird durch überschriebene Kürzungszeichen angezeigt. In der Regel bleibt durch die Beibehaltung des letzten Buchstaben die Flexionsform ersichtlich.

Quelle: Die Deutschen Inschriften. Terminologie zur Schriftbeschreibung. – Wiesbaden 1999, S. 74

Kenotaph

Grabdenkmal für einen an anderer Stelle beigesetzten Toten. Ein bekanntes Kenotaph ist das sog. Grabmal der Julier in S. Remy (Provence).

Quelle: Koepf, Hans, Bildwörterbuch der Architektur. – Stuttgart 1974, S. 227

Katakombe

nach altem Flurnamen an der Via Appia „ad catacumbas“, wo ein Kammergrab des hl. Sebastian verehrt wurde, im frühen Mittelalter gebildete Bezeichnung; i.ü.S. verwendet für unterirdische Begräbnisstätten (mit Körper-, niemals Brandbestattung) bei Mittelmeervölkern, bes. bei den Etruskern und den ersten Christen, denen sie auch als Zufluchtsstätten und Versammlungsräume dienten. Sie bestehen aus einem Vorraum, von dem aus Gänge zu den in die Seitenwände eingelassenen Grabnischen und -kammern führen. Spätere christliche Katakomben haben lange Hauptgänge und in den Abzweigungen mehrere Stockwerke übereinander mit Decken- und Wandmalereien, die den Erlösungsgedanken veranschaulichen, obwohl sie formal mit heid.-antiken Darstellungen übereinstimmen. Die Entwicklung der Katakomben läßt sich lückenlos in Neapel verfolgen (1. Bis 10. Jh.). In Rom finden sich Katakomben zwar erst ab dem 2. Jh., doch übertreffen sie alle anderen an Größe und Bedeutung. Die Größte ist die Callistus-Katakombe (61060m2)

Quelle: Der Knaur. – 7. 1991 (Ikos-Kleid), S. 2617f.

Kapitalis

Monumentalschrift der Antike, deren Buchstaben meist wie mit Lineal und Zirkel konstruiert sind und in der Regel Linksschrägenverstärkung, deutliche Unterschiede zwischen Haar- und Schattenstriche, Bogenverstärkungen sowie ausgeprägte Serifen besitzen. Die Kapitalis bleibt – in mehr oder weniger geschickter Umsetzung – die epigraphische Schrift der Spätantike und des Frühmittelalters, tritt freilich in regional sehr unterschiedlichen rustikalen, verschieden stark stilisierten Ausführung auf. Kennzeichen vorkarolingischer Kapitalisschriften sind etwa das Auftreten eckiger Formen (z.B. C, D, G, O) oder Schaftverlängerungen. Die karolingische Kapitalis nimmt in Anlehnung an die antiken Vorbilder deren Merkmale wieder auf und erreicht gelegentlich deren hohes Niveau. Die enge Orientierung an der klassischen Schriftausprägung nimmt dann bei der spätkarolingischen Kapitalis allmählich ab. Die klassischen Kapitalisformen und ihre charakteristischen Merkmale werden in der Renaissancekapitalis wieder aufgegriffen. Diese jüngeren Kapitalisschriften des 15. Bis 17. Jahrhunderts weisen nur in seltenen Fällen die strengen Konstruktionsprinzipien der antiken Kapitalis auf. Sie kommen in vielfältigen Erscheinungsformen vor, z.B. mit schmalen hohen Buchstaben oder als schrägliegende Schriften. Auch lassen sich im starken Maße regionale Sonderentwicklungen beobachten (Werkstätten), die eine allgemeine Charakterisierung erschweren.

Quelle: Deutsche Inschriften. Terminologie zur Schriftbeschreibung. – Wiesbaden 1999, S. 26


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Ligatur

1. Durch kursives Schreiben in einem Zug werden zwei oder mehrere Buchstaben miteinander verbunden, wobei mindestens einer der Buchstaben in der Regel seine Form verändert. Im epigraphischen Bereich existieren v.a. et-, st- und ct-Ligaturen dieser Art. 2. Zwei oder mehrere Buchstaben verschmelzen miteinander / werden zusammengefügt, so daß sie einen konstituierenden Bestandteil gemeinsam haben. Diese Zusammenfügung von Buchstaben, bei der die einzelnen Buchstaben und ihre Teile ihre Gestaltung und Anordnung nicht verändern, ist nicht das Resultat des kursiven Schreibens, sondern ein gestalterisches Element von Auszeichnungsschriften, das aus der antiken Monumentalschrift übernommen worden ist. Vielfach werden Buchstaben miteinander verbunden, um auf der begrenzten Fläche eines Inschriftenträgers Platz einzusparen. Diese Art der Buchstabenverbindung ist in Inschriften weit verbreitet.

Quelle: Die Deutschen Inschriften. Terminologie zur Schriftbeschreibung. – Wiesbaden 1999, S. 13


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Monogramm

Anfangsbuchstabe oder Kombination der Anfangsbuchstaben eines Namens, vielfach kunstvoll ausgearbeitet und verziert. Im Mittelalter von Fürsten, später auch von Handwerksmeistern und Künstlern als Handzeichen an Stelle der Unterschrift verwendet.

Quelle: Der Knaur. – 9. 1991(Liri-Moser), S. 3448

Mensa

Altartisch, steinerne Deckplatte des katholischen Altars


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Niello

Ein eingeritzte Zeichnung eines metallenen, meist silbernen Gegenstandes wird mit einem dunklen Schmelz ausgefüllt, so daß sie sich nach der Politur schwarz vom Metallgrund abhebt.

Quelle: Der Knaur. – 10. 1991 (Moses-Parad), S. 3634

Nexus litterarum

Die Verschmelzung zweier oder mehrerer Buchstaben

Quelle: Die Deutschen Inschriften. Terminologie zur Schriftbeschreibung. – Wiesbaden 1999, S. 13

Nekrolog

Nachruf auf einen Verstorbenen


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Oghamschrift

Altirische Schrift aus dem 4./5. Jahrhundert mit ungeklärter Herkunft. Die 20 Buchstaben bestehen aus Punkten und Strichen.

Quelle: Der Knaur. – 10. 1991(Moses-Parad), S. 3720 Null Null Null Null


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pseudounziales A

besteht aus einem rechten (Schräg)Schaft, einem nach links überstehenden Deckbalken, einem geschwungenen linken (Schräg)Schaft, der am Deckbalken ansetzt, und einem Mittelbalken.

Quelle: Die deutschen Inschriften. Terminologie zur Schriftbeschreibung. – Wiesbaden 1999, S. 31

Predella

Altarstaffel, der auf der Mensa aufsitzende Sockel eines Altarretabels oder des Schreines eines Flügelaltares, meist mit Malereien oder Bildwerken geschmückt oder als Reliquienbehälter.

Quelle: Koepf, Hans, Bildwörterbuch der Architektur. – Stuttgart 1974, S. 299

Papierabklatsch

Die Herstellung von Papierabklatschen ist so alt wie die Epigraphik selbst. Schon im 16.Jh. Wurde sie gelegentlich angewandt. Zur Herstellung werden ungeleimtes Papier (Löschpapier); Eine kräftige Bürste, Schwamm, Wasser und eine Stecknadel benötigt. Die Inschrift wird gründlich abgewaschen. Auf die noch nasse Fläche wird das trockene Papier möglichst glatt mit dem nassen Schwamm angedrückt. Das Papier saugt dann eine für die Elastizität ausreichende Menge Wasser auf. Entstehende Luftblasen können durch Anstechen mit einer Nadel beseitigt werden.Mit der Bürste wird das papier durch kräftiges, möglich gleichmäßiges Klopfen in die Vertiefungen des Objektes getrieben. Risse können durch Darüberlegen und Anklopfen angefeuchteten Papiers leicht repariert werden. Das Papier soll möglichst am Objekt trocknen. Werden getrocknete Papierabklatsche mit Fixativ o.ä. behandelt, lassen sich von ihnen Abgüsse nehmen.

Quelle: Kloos, Rudolf M., Fachtagung für lateinische Epigraphik des Mittelalters und der Neuzeit : Landshut, 18.-20. Juli 1980 (=Münchner Historische Studien, Abtlg. Geschichtliche Hilfswissenschaften; 19). – Kallmünz/opf. 1982, S. 143ff.


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Rubbing

Für vertiefte feinere Inschriften in glatten, festen Steinen, in Marmor oder Metallplatten empfielt sich als Reproduktionstechnik das „Rubbing“. Die Arbeitsutensilien sind ausgesucht festes, gestrichenes Achtzig- oder Hundert-Gramm-Papier und ein Stück Farbhartwachs schwarz, wie es Schuster zum Einfärben ihrer Polierrädchen benützen (In England wurde zum Rubbing ein spezielles „heel-ball“-Wachs entwickelt). Das Papier wird rutschfest über der Inschrift befestigt. Dann werden die erhabenen Flächen mit ziemlich viel Kraftaufwand „durchgerieben“. Hat das Wachs den empfohlenen Härtegrad, werden die erhabenen Flächen nach dem kräftigen Reiben absolut schwarz, und die vertieften Gravierungen und Flächen bleiben absolut weiß.

Quelle: Kloos, Rudolf M., Fachtagung für lateinische Epigraphik des Mittelalters und der Neuzeit : Landshut, 18.-20. Juli 1980 (=Münchner Historische Studien, Abtlg. Geschichtliche Hilfswissenschaften; 19). – Kallmünz/opf. 1982, S. 150

Rotunda

Der Begriff Rotunda bezeichnet im Bereich der Buchschriften eine in Italien entwickelte und stilisierte Form der gotischen Minuskel, die weitgehend auf Brechungen verzichtet, deren Schäfte meist stumf auf der Grundlinie enden und deren runde Bögen Bogenverbindungen/verschmelzungen eingehen. Unter den epigraphischen Schriften sind nur solche als Rotunda zu bezeichnen, die tatsächlich alle Merkmale dieser Buchschrift aufweisen und eindeutig nach deren Vorbild ausgeführt sind.

Quelle: Die Deutschen Inschriften. Terminologie zur Schriftbeschreibung. – Wiesbaden 1999, S. 50

Romanische Majuskel

Mischmajuskel aus eckigen und runden Buchstabenformen. Ausgehend von einem im wesentlichen kapital bestimmten Alphabet werden zusätzlich vor allem runde (unziale und andere), aber auch eckige Sonderformen (z.B. eckige C und G) aufgenommen. Es entsteht so eine oft recht variantenreiche Schrift aus vermischten Majuskelformen. Der Anteil der zusätzlichen Buchstabenformen nimmt im allgemeinen im Laufe der Entwicklung der romanischen Majuskel zu. Neben einer Erweiterung des Formenrepertoires ist eine Umgestaltung der einzelnen Buchstabenformen festzustellen, so etwa durch eine zunehmende Flächigkeit der Buchstabenkörper. Als weitere gestalterische Mittel werden vor allem in der Frühphase der romanischen Majuskel Ligaturen, Enklaven etc. verwendet.

Quelle: Deutsche Inschriften. Terminologie zur Schriftbeschreibung. – Wiesbaden 1999, S. 28

Retabel (Altar-)

jeder Altaraufsatz, im dt. Sprachgebrauch oft schlechthin Altar genannt, eine entweder auf die Mensa des Altars direkt aufgesetzte, auf einem Zwischenstück (Predella) oder hinter diesem auf einem Unterbau stehende Schauwand, die im Mittelalter aufkam. Das romanische Altarretabel aus Stein, Stuck oder Metall ist mit Reliefs, wenn aus Holz mit Malereien geschmückt. Sein Umriß ist rechteckig, halbrund oder rechteckig mit halbrunder Erhöhung in der Mitte. Die Gotik entwickelt das Altarretabel mit bemalten Tafeln und umgibt diese mit einem architektonischen Rahmen, der mit einem Aufbau aus Pfeilern, Wimpergen und Fialen (Gesprenge) versehen und durch Hinzufügung von Flügeln zu einem Flügelaltar erweitert werden kann. In Renaissance und Barock ist das hinter dem Altar aufgebaute Retabel üblich.

Quelle: Koepf, Hans, Bildwörterbuch der Architektur. – Stuttgart 1974, S. 11

Renaissance-Kapitalis

Die fortgeschrittenen Formen der Renaissance-Kapitalis, wie sie in Italien um die Mitte des 15. Jahrhunderts entwickelt worden waren, drangen in Deutschland zunächst – neben den Frühformen – nur vereinzelt ein. In den Zwischenstufen finden sich die verschiedensten Gestaltungen, die teils Reminiszenzen an die Frühkapitalis zeigen, teils einen ligaturenreichen Stil aufweisen, teils mit der Aufnahme von Minuskelbuchstaben und im Verzicht auf Sporen grobhandwerkliche Entstehung bezeugen. Schrifttypen solcher Art bestehen generell auch da weiter, wo klassische Gestaltungsformen bereits erreicht sind. Grundsätzlich ist bei dieser Schriftart in besonderem Maße immer wieder mit Rückgriffen auf ältere Muster und mit starkem Beharrern auf örtliche Traditionen zu rechnen. Aus der Entstehungsgeschichte der Renaissance-Kapitalis ergibt sich, daß sorgfältige Inschriften dieser Zeit ebenso wie die der karolingischen Zeit oft schwer von diesen und von antiken Inschriften zu unterscheiden ist. Meist jedoch verraten sie sich durch das eine oder andere typische Merkmal: Die Art des Sporenansatzes, den i-Punkt, das K mit langen Armen, die abweichenden Formen des M, das P mit geschlossenem Bogen, das Auftreten des W oder seit dem Ende des 16. Jh. Des U, die Erhöhung von Anfangsbuchstaben, Worttrennungszeichen am Zeilenende, übertriebene Betonung der Haar- und Schattenstriche, stark verkürzte Mittelbalken des E, spiegelverkehrtes N, unsymmetrischen Einschlag bei eingehauenen Schriften.

Quelle: Kloos, Rudolf M., Einführung in die Epigraphik des Mittelalters und der frühen Neuzeit. – Darmstadt 1992, S. 158ff

Rechtliche Inschriften

Unter dem Oberbegriff „Rechtliche Inschriften“ verbergen sich eine Vielzahl von Einzelformen. Man kann hierunter beispielsweise Inschriften über Jahrtage oder Kirchenweihen, Ablässe und dergleichen subsumieren. Besonders charakteristische Rechtsinschriften sind die Aufzeichnungen über Maße und Gewichte, wie sie sich etwa an Rathäusern mitsamt einer Darstellung der betreffenden Maßeinheit befinden.

Quelle: Kloos, Rudolf M., Einführung in die Epigraphik des Mittelalters und der frühen Neuzeit. – Darmstadt 1992, S. 51


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Suspension

bietet nur den ersten bzw. die ersten Buchstaben eines Wortes und kennzeichnet den Wegfall von Buchstaben durch spezielle Zeichen

Quelle: Die Deutschen Inschriften. Terminologie zur Schriftbeschreibung. – Wiesbaden 1999, S. 74

Steinkreuz

Steindenkmal in Form eines Kreuzes. Zu seiner Bedeutung siehe unter Kreuzstein. Zu den ältesten Beispielen einer – wenn auch nur literarisch überlieferten – Inschrift auf einem Steinkreuz gehört das Steinkreuz, das zum Gedächtnis des Würzburger Bischofs Konrad von Querfurt am Ort seiner Ermordung im Jahre 1202 errichtet wurdeund als Inschrift ein lateinisches Distichon trug.

Quelle: Kloos, Rudolf M., Einführung in die Epigraphik des Mittelalters und der frühen Neuzeit. – Darmstadt 1992, S. 69

Sporen

sind Schaft-, Balken- oder Bogenenden durch einseitig oder beidseitig überstehende Striche oder andere Elemente besonders gestaltet, spricht man von Sporen (Singular: Sporn). Sie können sehr unterschiedliche ausgeführt sein und in unterschiedlichen Winkeln ansetzen. Sporen kommen vorwiegend in Majuskelschriften, aber auch bei der humanistischen Minuskel vor. Sind sie nach erkennbare einheitlichem Konstruktionsprinzip gebildet – vorzugsweise bei der antiken Kapitalis und bei auf sie zurückgreifenden, klassizierenden Schrifte – ist der Ausdruck Serifen zulässig. Jeder Sporn läßt seine Position eindeutig benennen (z.B. unterer Sporn des rechten Schafts).

Quelle: Die Deutschen Inschriften. Terminologie zur Schriftbeschreibung. – Wiesbaden 1999, S. 21

Sgraffito

Wanddekoration, bei der die Zeichnung in. Versch. Gefärbte, noch feuchte Putzschichten eingekratzt wird, so daß der darunterliegende andersfarbige Putz zum Vorschein kommt; häufig bei Renaissancebauten Oberitaliens und im Kanton Graubünden, bei hessischen und thüringischen Bauernhäusern als Kratzputz.

Quelle: Der Knaur. – 13. 1991 (Schwir-Symbl), S. 4679

Serife

siehe Sporen

Scriptura monumentalis

Römische Kapitalschrift seit dem 1. Jh. V. Chr.. Das Alphabet der Schrift hat zunächst 21 Buchstaben und wird im 1.Jh.v.Chr. Um die Zeichen Y und Z aus der griechischen Schrift vervollständigt. (Erst im 10.Jh. Bildet sich das W aus zwei zusammengerückten V, im 16.Jh. Differenziert sich vom V das U). In der Scriptura monumentalis hat die lateinische Schrift ihre klassische Form gefunden. Die S.m. wird besonders für feierliche Inschriften verwendet, Ehren- und Weiheinschriften, Grabinschriften gehobenen Anspruchs. Sie ist meist großformatig und sorgfältig gehauen, vorzugsweise in Stein. Die Schrift ist im eigentlichen Sinne monumental, da sie als Architekturbestandteil aufgefaßt und gestaltet wird; daher verlaufen die Linien der Buchstaben vorzugsweise parallel zum Rahmen oder sind wenigstens im gleichen Winkel ausgerichtet. Im einzelnen sind die Buchstaben durchweg ziemlich breit und füllen meist ein volles Quadrat. Schmaler sind jedoch EFLT wegen ihrer Waagerechten; dagegen sind immer breit die Buchstaben mit Schräglinien AMNVR.

Quelle: Kloos, Rudolf M., Einführung in die Epigraphik des Mittelalters und der frühen Neuzeit. – Darmstadt 1992, S. 96ff.

Scriptura actuaria

Während die Scriptura monumentalis nur für Inschriften von höchsten Ansprüchen angewendet wurde, stand daneben als epigraphische Gebrauchsschrift die Scriptura actuaria. Sie diente insbesondere für die Anbringung von Gesetzestexten und Urkunden, daher ihr Name. Man findet sie v.a. auf Bronze (Militärdiplome), aber auch auf Steindenkmälern von geringeren Ansprüchen und gemalten Inschriften. Die S.a. ist in ihrem Charakter leichter, zwangloser und gefälliger als die Monumentalis und steht der Kursive näher. Die Buchstaben der Actuaria sind schmaler und betonen Haar- und Schattenstriche, vor allem in den gemalten Inschriften. Einzelne Buchstaben wie FILY können über oder unter die Zeile hinausragen. Entsprechend dem schmalen Charakter der Schrift sind die Bögen von BPR meist sehr klein, die waagerechten Teile von EFLT sind leicht geschweift und oft sehr kurz, dem A fehlt häufig der Mittelbalken.

Quelle: Kloos, Rudolf M., Einführung in die Epigraphik des Mittelalters und der frühen Neuzeit. – Darmstadt 1992, S. 100

Schwellzug

bogen- oder doppelbogenförmiger Strich mit sich verändernder Strichstärke. Bei gedachter Ausführung der Schrift mit Feder oder Pinsel ändert sich weder die Haltung der Schreiberhand noch des Schreibgerätes, so daß der optische Eindruck des An- und Abschwellens der Linie lediglich durch eine Änderung der Strichrichtung entsteht.

Quelle: Die Deutschen Inschriften. Terminologie zur Schriftbeschreibung. – Wiesbaden 1999, S. 19

Schwellschaft

deutlich über die eigentliche Schaftstärke anschwellend verdickter und nach unten spitz zulaufender Schaft (vornehmlich bei f,j, langem s und q).

Quelle: Die Deutschen Inschriften. Terminologie zur Schriftbeschreibung. – Wiesbaden 1999, S. 19

Schaft

auch: Haste. Senkrechte Linie; aus Gründen der Einheitlichkeit kann man durchgehend den Begriff Schaft verwenden

Quelle: Die Deutschen Inschriften. Terminologie zur Schriftbeschreibung. – Wiesbaden 1999, S. 20

Sarkophag

In antiker Tradition ist der Sarkophag meist aus einem einzigen Steinblock gearbeitet, als Material ist auch vereinzelt Metall möglich. Der Sarkophag kann, in gleichem Maße wie die Tumba, „frei“ aufgestellt oder aber mit einer Längsseite an eine Wand gerückt sein. Im Unterschied dazu sollte der Sarkophag, der auch eine von der Kastenform der Tumba abweichende Gestalt aufweisen kann, tatsächlich einen Leichnam enthalten haben.

Quelle: Bearbeitungs- und Editionsgrundsätze für die „Wiener Reihe“ des deutschen Inschriftenwerkes / hrsg. Von Walter Koch. – Wien 1991, S. A17

Sargtafel

Kleinformatige, dem Sarg beigegebene Inschriftentafel zur Identifizierung des/der Toten.

Quelle: Bearbeitungs- und Editionsgrundsätze für die „Wiener Reihe“ des deutschen Inschriftenwerkes / hrsg. Von Walter Koch. – Wien 1991, S. A17


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Tympanon (Lünette)

Feld unter einem architektonischen Bogen oder Giebel: Giebelfeld (dreieckig) unter einem geradlinigen, Bogenfeld (halbkreisförmig) unter einem Rund- oder Segmentbogen.

Quelle: Jakobi-Mirwald, Christine, Buchmalerei : Ihre Terminologie in der Kunstgeschichte. – Berlin 1997, S. 26

Tumba

Die Tumba ist entweder gemauert oder aus mehreren Platten zusammengesetzt und hat normalerweise die Gestalt einer länglichen Truhe (Kastentumba). Im günstigsten Fall stellt die Tumba eine Umkleidung eines Sarges dar, sofern sie überhaupt einen Leichnam beherbert (hatte).

Quelle: Bearbeitungs- und Editionsgrundsätze für die „Wiener Reihe“ des deutschen Inschriftenwerkes / hrsg. Von Walter Koch. – Wien 1991, S. A17

Translatio

Überführung von Reliquien oder Verstorbenen

Transkription

phonet. Umsetzung einer Schrift

Totenschild

Geschnitzte und/oder bemalte, meist runde, an der Wand aufgehängte Holzschilder mit Vollwappen und Grabinschrift. Der Totenschild kann auch auf eine Wand gemalt sein.

Quelle: Bearbeitungs- und Editionsgrundsätze für die „Wiener Reihe“ des deutschen Inschriftenwerkes / hrsg. Von Walter Koch. – Wien 1991, S. A17

Totenbrett

Im ursprünglichen Sinn das Brett, auf welchem der Tote aufgebahrt wurde. Im Allgemeinen ein Erinnerungsmal an einen Verstorbenen, welches hauptsächlich aus einem Holzbrett besteht.

Tachygraphische Zeichen

Ersetzung eines Wortes oder einer Silbe durch ein Symbol

Quelle: Die Deutschen Inschriften. Terminologie zur Schriftbeschreibung. – Wiesbaden 1999, S. 74


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urkundliche Inschriften

Urkundliche Inschriften hat es schon in Italien seit dem 6.Jahrhundert gegeben, ausgestellt von germanischen Herrschern und vor allem von Päpsten; diese sind wohl als die Fortpflanzer dieser Überlieferung ins Mittelalter hinein zu betrachten. (Ausgeklammert bleibt hier der frühere römische Usus, Gesetzestexte inschriftlich zu veröffentlichen) In Deutschland treten urkundliche Inschriften seit dem 12. Jh. auf, vor allem und anfänglich allein von Kaisern bzw. Königen ausgestellt. Charakteristisch als Gruppe der Empfänger sind durchweg Städte oder bestimmte Personengruppen des bürgerlichen Lebens wie Kaufleute oder Juden. In zweiter Linie treten Klöster und Kirchen als Empfänger auf. Inhaltlich handelt es sich um Stadtprivilegien und Freiheiten, Rechte, Schenkungen und Stiftungen. Die Monumentalurkunde muß durchweg und a priori als Abschrift einer Pergamenturkunde angesehen werden. Dazu steht in scheinbarem Widerspruch, daß der Monumentalurkunde offensichtlich und in einigen Fällen nachweisbar rechtliche Beweiskraft beigemessen wurde. Eigene Erwähnung bedürfen zudem solche Inschriften, die in der Rechtsform einer Notitia auf einem geschenkten Gegenstand den Akt der Schenkung festhalten.

Quelle: Kloos, Rudolf M., Einführung in die Epigraphik des Mittelalters und der frühen Neuzeit. – Darmstadt 1992, S. 51ff

unziales A

Das unziale A besteht aus einem schrägen rechten und einem gebogenen odere geschwungenen linken Schaft. Der linke Schaft setzt deutlich unter dem oberen Ende des rechten Schaftes an; eventuell zusätzlich ein Mittelbalken.

Quelle: Die Deutschen Inschriften. Terminologie zur Schriftbeschreibung. – Wiesbaden 1999, S. 31

Unziale

Neben der Kapitalis ist die Unziale die häufigste Schriftart von Zierbuchstaben und Auszeichnungsschriften (gilt v.a. für den Buchbereich). Die spätantike Buchschrift der Unziale entwickelte sich im 4. Jahrhundert aus der Majuskelkursive. Sie ist v.a. an den gerundeten Schäften (Unterschiede besonders beim D,E, M) zu erkennen.

Quelle: Jakobi-Mirwald, Christine, Buchmalerei : Ihre Terminologie in der Kunstgeschichte. – Berlin 1997, S. 48


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Votum

Gelübde

Verschränkung

zwei Buchstaben sind so ineinandergeschoben, daß sie sich teilweise überlagern. Sie verändern dabei weder ihre Form noch verschelzen sie miteinander im Unterschied zu ligierten Buchstaben; sie haben also keinen konstituierenden Buchstabenbestandteil gemeinsam.

Quelle: Die Deutschen Inschriften. Terminologie zur Schriftbeschreibung. – Wiesbaden 1999, S. 12

Versalien

Versalien (Singulär: Versal) enstammen entweder anderen Alphabeten oder demselben Alphabet wie die Gemeinen, unterscheiden sich von diesen aber durch besondere Größe und/oder Verzierung. Versalien werden verwendet zur Hervorhebung von Wort- und Versanfängen, ganzer Wörter und Akrostichen sowie als Zahlbuchstaben in Chronogrammen.

Quelle: Die Deutschen Inschriften. Terminologie zur Schriftbeschreibung. – Wiesbaden 1999, S. 12


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Wandmalerei

im Unterschied zur Tafelmalerei die Malerei auf Wandflächen, auch Decken und Gewölbe. Sie erfolgt entweder al fresco auf den noch feuchten Putz oder al secco auf die trockene Wand.

Quelle: Der Knaur. – 15. 1991(Versam-z.Z.), S. 5492


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Ziborium

1. Kelch mit Deckel zur Aufbewahrung der Eucharistie 2. Von Säulen getragener, baldachinähnlicher Überbau z.B. über einem Altar (Tabernakel) oder über einem Grabmal.

Quelle: Der Knaur. – 15. 1991 (Versam-z.Z.), S. 5728


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