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Bildstock

Der Bildstock ist ein im Freien, vornehmlich an öffentlichen Wegen errichtetes religiöses Wahrzeichen; er besteht meistens aus einer Säule oder einem Pfeiler mit religiösem Bildwerk in einer Nische oder als Bekrönung. Er steht in einer Reihe mit anderen meist noch älteren religiösen Wahrzeichen: den iro-schottischen Hochkreuzen, den Hoheitskreuzen, den Hagel- oder Wetterkreuzen, den Friedsäulen und den Totenleuchten. Besonders eng verwandt sind sie mit den Steinkreuzen. Wie Steinkreuze wurden auch Bildstöcke zur Sühne für einen Mord, zur Erinnerung an einen Unfall, in Ausführung eines Gelübdes gesetzt. Bildstöcke lassen sich bis zur Mitte des 14. Jh. zurückverfolgen, die sog. Heiligenhäuschen bis ins 13. Jh.. Bildstöcke finden sich besonders häufig in Franken und erlebten im Zeitalter der kirchlichen Restauration ihre Blüte, die bis in das 19. Jh. reichte.

Quelle: Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte. – II. Band Bauer-Buchmalerei, S. 698

Literatur

Dabbing

Der Begriff aus dem Englischen, der den Vorgang und die Tätigkeit, daß „getupft“ wird, zum Ausdruck bringt, erinnert daran, daß der historische Ursprung der Technik in England zu finden ist. Die Technik beinhaltet einen Stempelabdruck einer erhabenen Inschrift. Der Stempel muß weich sein, damit das Buchstabenbild und dessen Kanten oder die Rundungen präzise erfaßt werden. Als Stempel nimmt man z.B. ein Fensterleder, welches mit Watte gefüllt wird und am oberen Ende mit einem Holzgriff versehen werden. Als Papier hat sich dünnes Japanpapier bewährt. Es wird einseitig angefeuchtet, zu zwei oder drei Bögen zusammengefaltet und ein bis zwei Tage in einem Plastikbeutel aufbewahrt. Auf diese Weise entsteht der gewünschte lappig-feuchte Zustand. Das Papier wird dann auf die Inschrift gelegt. Als Druckfarbe wir eine Mischung aus Grafit und Leinöl, die eine bestimmte, eher trocken-geschmeidige Konsistenz haben muß, benützt. So wir die Fähigkeit des Grafits, auf stärkeren Druck stärker und auf schwächeren Druck schwächer zu reagieren, also Feinabstufungen entsprechend den plastischen Rundungen wiedergeben zu können, voll ausgenutzt. Das Einreiben des Stempels ist denkbar einfach. Man schüttet etwas Grafitt auf einen flachen Stein, gibt wenig Öl dazu und mischt mit dem Stempel selbst. Vier Tupfen angerührten Tapetenkleisters befestigen das Papier auf der Inschrift. Es muß glatt aufliegen und darf sich während des Stempels nicht bewegen. Das Papier trocknet sehr schnell und kann ohne weitere Nachbehandlung konserviert werden. Bewährt hat sich dieses Verfahren v.a. bei Glocken.

Quelle: Kloos, Rudolf M., Fachtagung für lateinische Epigraphik des Mittelalters und der Neuzeit : Landshut, 18.-20. Juli 1980 (=Münchner Historische Studien, Abtlg. Geschichtliche Hilfswissenschaften; 19). – Kallmünz/opf. 1982, S. 146ff.

Epigramm

bei den Griechen ursprünglich eine Inschrift, die zur Erläuterung auf Denkmälern, Weihgaben und Bauten angebracht wurde, meist in Distichen. Seit Ende des 6. Jh. v. Chr. Selbstständige literarische Form, die einen Gedanken in eine knappe, geistreiche, oft satirisch zugespitzte Spruchformel faßt.

Quelle: Der Knaur. – 4. 1991 (Doki-Fine), S. 1374

Epitaph

Die deutsche Kunstgeschichtsforschung hat den Begriff “Epitaph” im Unterschied zum Sprachgebrauch anderer Länder eingeschränkt. Sie bezeichnet damit eine besondere Art von Totengedächtnismalen, welche die Erinnerung an den Verstorbenen mit einem religiösen oder allegorischen Bildwerk und einem inschriftlichen Todesvermerk verbinden. Die nicht an den Begräbnisort gebundenen Epitaphien können einerseits der Grabplatte hinzugefügt werden, andererseits aber auch allein und fern des Bestattungsortes als Erinnerungsmal für den Verstorbenen stehen. Die wesentlichen Bestandteile sind: 1. Name und Todesvermerk als Rahmeninschrift oder auf beigefügter Tafel 2. Darstellung des Verstorbenen (mit Familie) – als Standfigur oder kniend (zumeist in Bethaltung) – oder heraldischer Darstellung 3. Religiöses oder allegorisches Bildwerk Gelegentlich kann eines dieser drei Merkmale fehlen. In der Beliebigkeit der äußeren Gestalt und Größe, der technischen Ausführung und des Materials sowie in der Auswahl an Bildthemen unterscheidet sich das Epitaph von der formal und ikonographisch stärker eingegrenzten Grabplatte.

Quelle: Bearbeitungs- und Editionsgrundsätze für die “Wiener Reihe” des deutschen Inschriftenwerkes / hrsg. Von Walter Koch. – Wien 1991, S. A16

Bogenverstärkung

Verbreiterung der Strichstärke bei Bögen (analog zur Links- bzw. Rechtsschrägenverstärkung). Die größte Strichstärke erhält der Bogen dabei in den Abschnitten, die dieselbe Strichstärke aufweisen wie diejenigen Geraden, die die volle Stärke des Schattenstriches tragen. Bei Schriften mit Linksschrägenverstärkung haben alle Bögen folglich im Idealfall eine linksschräge Schattenachse.

Quelle: Die Deutschen Inschriften. Terminologie zur Schriftbeschreibung. – Wiesbaden 1999, S. 17

Abreibung

Bei gut erhaltenen, nicht zu kleinen Objekten ergeben Abreibungen gute Ergebnisse. Sie sind allerdings nur zweidimensional, haben deswegen aber den Vorteil einer einfacheren Aufbewahrung. Erforderlich ist hierzu starkes, zähes Papier (Japanpapier) und ein stumpfer Farbstift (Graphitstift, Wachskreide) und Klebeband. Das Papier wird mit dem Klebeband unverrückbar auf dem Objekt befestigt. Mit dem Farbstift werden die erhabenen Teile des Objekts auf das Papier durch Reiben übertragen. Es entsteht ein Farbabbild der erhabenen Teile des Objekts, das je nach Glätte der Oberfläche mehr oder weniger deutliche Einzelheiten zeigt.

Quelle: Kloos, Rudolf M., Fachtagung für lateinische Epigraphik des Mittelalters und der Neuzeit : Landshut, 18.-20. Juli 1980 (=Münchner Historische Studien, Abtlg. Geschichtliche Hilfswissenschaften; 19). – Kallmünz/opf. 1982, S. 145

Literatur

Ablaßtafel

Ablaßtafeln sind Erbauungsbilder, an deren fromme Betrachtung in Verbindung mit bestimmten Gebeten ein Ablaß geknüpft war. Das auch ein Epitaph als Ablaßtafel dienen konnte, zeigt der Stein des 1463 verstorbenen Dekans Joh. Kirchhain in der Fritzlarer Stiftskirche. Ablaßtafeln nennt man auch ein Verzeichnis der einer Kirche verliehenen Ablässe in Gestalt einer Tafel.

Quelle: Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte. – I. Band A-Baubetrieb, S. 79f

Ziborium

1. Kelch mit Deckel zur Aufbewahrung der Eucharistie

2. Von Säulen getragener, baldachinähnlicher Überbau z.B. über einem Altar (Tabernakel) oder über einem Grabmal.

Quelle: Der Knaur. – 15. 1991 (Versam-z.Z.), S. 5728